Samstag, 4. Juli 2009

Flächendeckender Breitbandausbau in Deutschland - 25.6. Berlin

Am 25.6. hatten wir eine Veranstaltung zum Thema "Flächendeckender Breitbandausbau in Deutschland" in Berlin, Gastgeber war der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Veranstalter waren Beiten Burkhardt und wir (Seim & Partner). Außer das es Spaß gemacht hat, war es auch spannend, zuzuhören (neben dem eigenen Vortrag).

Herr Bürgermeister Doll aus Sasbachwalden hat eindrucksvoll von "seinem" Modellprojekt erzählt. Die Gemeinde wird (beginnend im Herbst) ein eigenes Glasfasernetz realisieren. Im Kernort soll insbesondere durch Verwendung von Abwasserkanälen möglichst "zerstörungsfrei" gebaut werden. Dazu muß man wissen: Sasbachwalden liegt am Westhang des Schwarzwaldes, der Boden ist also nicht nur steinig, sondern felsig (Bodenklasse 6 + 7). In den oberen Höhenlagen will man u.a. mit Freileitungen die dortigen Gebäude anschließen. Derzeit laufen die Planungen für das Projekt.

Herr Dr. Reck, Hauptgeschäftsführer des VKU, hielt die Keynote. Bemerkenswert waren für uns die prägnanten Hinweise auf den internationalen Standortwettbewerb sowie auf die aktuelle Wirtschaftskrise. Herr Dr. Reck formulierte die These, dass Netze die Teilhabe in einer modernen Gesellschaft und Wirtschaft für Bürger und Unternehmen gewährleisten. Sie wirken aus seiner Sicht stabilisierend auf die Unternehmen, da sie es durch ihre Qualität und Zuverlässigkeit den Unternehmen erlauben, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Dem können wir aus unserer Projekterfahrung nur zustimmen: Unternehmen, die um Konnektivität, um Datenaustausch kämpfen müssen, haben (tlw. massive) Probleme bis zu Umsatzverlusten. Darum ziehen sie weg, wenn der Druck zu groß geworden ist. Aus Sicht von Dr. Reck gilt es, die digitale Spaltung der Gesellschaft zu vermeiden. Gerade im ländlichen Raum fehle oftmals dieHochgeschwindigkeit. Gleichzeitig schrumpfe die Bevölkerung gerade in den peripheren Räumen, bedingt durch niedrige Geburtenraten und durch Landflucht, gerade der jungen und gut qualifizierten Menschen. Dem müsse dringend etwas entgegen gesetzt werden. Er zitierte eine OECD-Studie, die zu dem Ergebnis kam, dass Breitbandtechnologie bis 2011 mit einem Drittel zum Produktivitätswachstum beitragen dürfte. Zum gleichen Ergebnis kam bereits 2006 eine Studie des BMWi (unsere Anmerkung dazu: zu politischem Handeln hat diese Erkenntnis aber bisher kaum gereicht).

In der Diskussion über Breitband wird ja oft darüber gestritten, ob Internet nun (auch) zur Daseinsvorsorge gehört oder nicht. Herr Dr. Reck hatte eine u.E. interessante und prägnante Antwort, ausgehend von einer Definition, die uns sehr gefallen hat (und gleichzeitig neu war): Lt. Dr. Reck wurde der Begriff der Daseinsvorsorge von Forsthoff geprägt: Daseinsvorsorge sind lt. Forsthoff Leistungen, auf die der Mensch in einer modernen Gesellschaft angewiesen ist, mit deren Erbringung der Einzelne aber überfordert sei. Diese Definition passt lt. Dr. Reck exakt auf die Gewährleistung einer flächendeckenden Internetversorgung.

Für Dr. Reck ist die Aufgabe, diese Daseinsvorsorge zu gewährleisten, am Besten bei den kommunalen Unternehmen aufgehoben. Auch wenn diese These rollenkonform vorgetragen sein mag: wenn man sich die aktuellen Entwicklungen in Deutschland anschaut (siehe z.B. unsere "Glaskarte D"), so muß mankonstatieren: Dr. Reck's These wird durch die Praxis bestätigt.

Er untermauerte seine These (kommunale Unternehmen als "geborene Internet-Versorger") mit mehreren Argumenten:
  1. kommunale Unternehmen müssen weniger auf Rentabilität achten als normale Telcos. Daher ist der tlw. unrentable Netzbau und -betrieb in der Fläche für sie ein geringeres Problem.
  2. kommunale Versorger können ihre Leitungsnetze kombinieren (konkret reden wir über Mitverlegung) und so die Kosten senken.
  3. komme das Thema "Smart Metering" auf die lokalen Versorger zu. Auch sieht er Synergien mit neuen Netzen.

Er sieht die VKU-Mitgliedsunternehmen als wichtige Akteure im Ausbau der Breitband-Infrastruktur Deutschlands (mit Verweis auf den neu gegründeten Bundesverband Glasfaseranschluss).

Zu den Vorträgen von Dr. Habbel (Dt. Städte- und Gemeindebund) und zu unseren Vorträgen mehr in einem späteren Posting.

FttH und Open Access - macht das Sinn?

Es gibt eine seit längerem intensiv geführte Diskussion über den Sinn oder Unsinn von Open Access, in der Regel in Verbindung mit der Diskussion über den Bau neuer Glasfasernetze.

Die Verfechter von Open Access haben nach unserer Wahrnehmung in der Vergangenheit sehr oft mit als moralisch "gut" zuverstehenden Argumenten für Open Access geworben. Die Frage, ob Open Access ggf. einfach "nur" betriebswirtschaftlich interessant sein könne, hat bisher kaum jemand gestellt. Wir haben darüber bereits in einer Vielzahl von Projekten nachgedacht. Unser Fazit ist: Open Access benötigt (etwas) weniger Kapital als ein gleiches integriertes Modell und erwirtschaftet mehr freie Mittel (= Liquidität).

Nu hat sich auch einer unserer Bloggerfreunde mit dem Thema beschäftigt und im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit für yankee group einen entsprechenden Report veröffentlicht. Zusammenfassend kann man folgende Thesen festhalten:
  1. Benoit empfiehlt dringend, die Kosten je zu erschließendem Gebäude / Wohnung zu senken. Dabei denkt er mehr über hohe Einmalbeiträge der Kunden nach als über signifikant preiswertere Bauweisen. Hier sehen wir einige Probleme in der Umsetzbarkeit in Deutschland. Prinzipiell aber hat er natürlich Recht: je höher der Einmalbeitrag ausfällt, um so geringer wird der vorzufinanzierende Betrag je erschlossenem Haushalt.
  2. Erhöhung der Beteiligungsquote (mit fast allen Mitteln). Dabei empfiehlt er, wie ein Versorger zu denken statt wie ein Telekom-Unternehmen. Dem kann man nur zustimmen, quasi ohne Nachdenken :-)
  3. Das Netz für Wettbewerber öffnen, denn so erhöht man die Beteiligungsquote. Der monatliche Durchschnittsumsatz sei zwar geringer, aber die operative Marge höher als bei eigener vermarktung (Wegfall vieler betrieblicher Kosten). Auch dies ist eigentlich offensichtlich, stößt aber bei vielen Marktteilnehmern heute auf (für uns) unverständliche Widerstände.

Benoit hat mit seinem Kollegen Wally Swain ein grundlegendes FttH-Rechenmodell entwickelt, das in dem Report auch eingehend erläutert wird. Hier haben wir an mancher Stelle so unsere Kritik - aber letztlich bleibt aus unserer Sicht der Verdienst, die Prinzipien des Open Access nicht nur rein moralisch (transparant, nicht-diskriminierend usw.), sondern hart betriebswirtschaftlich durchgerechnet zu haben. Der Report gibt außerdem einen Eindruck über die betriebswirtschaftliche Sensitivität eines FttH-Netzmodells für die verschiedenen Parameter. Für Interessierte an dem Thema sei auf diesen Link verwiesen, in dem Benoit das Webinar zu dem Thema im Netz veröffentlicht.

Freitag, 19. Juni 2009

Deutschland + USA liegen "hinten"


In der heutigen Abendausgabe des Handelsblatts findet sich eine (eigentlich gar nicht neue) Meldung zum Ranking einiger Länder hinsichtlich Breitbandversorgung. Die Fakten haben sich nicht geändert: D und US sind "hinten", die Südkoreaner + Niederländer (Ja, genau die :-) sind "vorne". Schwerpunkte der Unterversorgung: ländlicher Raum im Süden Deutschlands sowie der Nord-Osten....

Dienstag, 16. Juni 2009

KISA - Breitband für Sachsen

Auch in Sachsen hat man mittlerweile eine neutrale Beratungsstelle für das Thema Breitband aufgesetzt. Sie ist bei der kommunalen IT Sachsen angesiedelt.
Hier der Link zur KISA. Sobald wir mehr wissen, folgt ein Posting.

Open Access

Quelle: NDIX - was wir uns nur fragen: wie kommen die Niederländer zu so netten Witzen, und dann noch auf Deutsch ? Und warum ist es ein französisches Auto, und ohne Anhängerkupplung ?

Montag, 8. Juni 2009

Breitbandförderung in Deutschland - Aufstellung der Antragsstichtage

In unseren Projekten werden wir immer wieder gefragt: "bis wann muß der Antrag fertig sein"? In diesem Posting fassen wir die Stichtage,soweit wir sie haben recherchieren können, kurz zusammen. Bei Frage bitte eine Mail an: blog (at) seim (-) partner (punkt) de.

Generell: die Breitbandrichtlinien der Länder werden aktuell überarbeitet und der neue Auslauftermin wird jeweils Ende 2013 werden.
Förderrichtlinie Bayern:
Richtlinie zur Förderung der Breitbanderschließung in ländlichen Gebieten (Breitbandrichtlinie)
Inkrafttreten der deutlich angehobenen Förderbeträge 29.5.09 außer Kraft 31.12.2010
Antragsfrist: keine, laufend

Niedersachsen
ML (GAK, in Überarbeitung):
Gegenstand der Förderung 2.1 Antragsfrist: jederzeit/laufend
Gegenstand der Förderung 2.2 und 2.3. Antragsfrist: 29. Mai .2009
ZuInvG: (Konj. II) Zeitraum 2009 bis 2011, noch nicht notifiziert, da Nachbesserungen , erwartet werden für den Wettbewerb, vorläufige Antragsfristen:
1. Tranche August 2009, 2. Tranche 6 Wochen später
MW: Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung breitbandiger elektronischer Kommunikation (Breitbandförderung Niedersachsen, EFRE) (Erhöhung der Förderung auf 90%; Notifizierung läuft, Termin Ende Juni), Antragsfrist: laufend

Baden-Württemberg:

Staatliche Beihilfe Nr. N 570/2007 – Deutschland außer Kraft 31.12.2012
ELR Bekanntmachung des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum über die Ausschreibung der Sonderlinie "Breitbandinfrastruktur Ländlicher Raum für das Jahresprogramm 2009, Antragsfristen in 2009:
1. Tranche bis zum 30. Juni,
2. Tranche bis zum 30. Oktober.

Nordrhein-Westfalen:
RWP Infrastruktur (Gewerbegebiete) 1.1.2009 bis 31.12.2013, Antragsfrist: laufend
Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung der Breitbandversorgung ländlicher Räume, RdErl. des MUNLV, II-6-0228.22900 vom 15.8.2008
Antragsfrist: keine, laufend

Schleswig-Holstein:
Richtlinie zur Förderung von Projekten zur flächendecken Versorung des Landes mit schneller Internetzugangsmöglichkeit – Breitbandrichtlinie - Antragsfrist: keine, laufende Antragsstellung
Entwicklung neuer Richtlinie, die im August notifiziert sein sollte; Überblick Ende Juni zu erwarten Zusammenlegung mit Konjunkturpaket II Förderung

Rheinland-Pfalz:
Leerrohrförderung (Konj. II): 19.Mai 2009
Breitbandrichtlinie GAK: Antragsfrist: keine, laufende Antragsstellung

Hessen:
Förderleitfaden Breitbandversorgung ländlicher Räume
Antragsfrist: keine, aber asap (Fördermittel begrenzt, einige Gemeinden sind schon im Verfahren)

Freitag, 29. Mai 2009

Kurzbericht zum VATM Tele-Kompass Berlin-Mitte, am 12. Mai 2009

Heute tragen wir etwas von unseren "Blogging-Schulden" ab. Mit Schuld hat einer unserer Leser, der heute unsere FttH-Studie geordert hat. Da merken wir, dass wir nicht "in's Leere" schreiben. Danke!

Thema des heutigen Postings ist eine Veranstaltung des VATM zu „Open-Access-Modell für Deutschland, Wettbewerb schafft nachhaltige Investitionen in moderne Breitbandnetze“

In der Keynote motivierte Hr. Eickers (VATM-Präsident) das Open-Access-Modell als Gegenpol zur Monopolrendite, als Mittel zur Kooperation in der Breitbandinfrastruktur und zur Verteilung der nötigen Investitionen mit mehr als 50% für die Wettbewerber.

Das Modell umfasst u.a. folgende Thesen zum Investitions- und Zugangskonzept:

  • Gemeinsamer KVz-Ausbau mit entsprechender Dimensionierung durch Kostenteilung;
  • Orientierung der Ausbauregeln an den Erkenntnissen aus dem HVT-Umfeld;
  • Festschreibung des Anspruchs auf Platz im KVz, wenn er vorhanden ist;
  • Anteilige Beteiligung an den ursprünglichen Investitionen (Rückvergütung der Baukosten KVz);
  • Möglichkeiten zur Reservierung von Platz im KVz;
  • Möglichkeit der zeitlichen Entkopplung der Investitionen einzelner Teilnehmer;
  • Transparenz hinsichtlich Belegung und Reservierung in einem KVz;
  • bedarfsgerechte, volumenbezogene Kostenteilung der Leerrohrverlegung;
  • CAPEX-basierte Struktur (nicht Mieter, sondern Miteigentümer) der Infrastruktur;
  • Zielvorstellung: Zügiger Abbau der HVT und Migration der HVT durch die DTAG
  • Voraussetzung: Bitstrom-Zugang zur Infrastruktur
  • Kolokation von KVz, Leerrohrkataster Verfügbarkeit, GF-Zugänge
  • DTAG ist gefordert, die 73 Zugänge auf 900 Metronots auszubauen

Tagesspiegel-Moderator Hr. Zurheide bat die Teilnehmer der Podiumsdiskussion um Stellungnahmen zur Machbarkeit des Vorgehens. Einige Aussagen waren folgende: Hr. Kurth (Präsident BNetzA)

Beirat hat am 11.5.09 entschieden:

  • Förderung von Kooperationsprojekten,
  • Bereitstellung eines Leerrohrkatasters,
  • Gründung eines NGA-Forums, dessen Mitglieder aktuell besetzt werden.
  • Kritik am geringen Erfolg des VDSL
  • zentrale Schaltverteiler in den Dörfern müssen geöffnet werden
  • Leerrohre sind offen für den Wettbewerb, es gibt keine Entscheidung zum Preis

Aussagen von Hr. Dr. Schuhseil (BMWi):

  • BMWi ist zuständig für den Schutz des Wettbewerbs;
  • Es bedarf der Regulierung für die Umsetzung des langfristigen Ziels der Bundesregierung zum Breitbandnetzt (flächendeckendes Breitband bis Ende 2014);
  • im Gegensatz zum Geschäftsmodell im alten Kupfernetz fehlt aktuell vor allem „jemand, der investiert“;

Hr. Schwarz (Alcatel) - Leiter der AG2 der D21-Initiative (Finanzierung / Kooperation bei NGA-Netz-Aufbau):

  • „Es geht voran, aber aktuell geht jeder allein“
  • Es gibt eine AG 2 für das neue Breitband in Vorbereitung für den IT-Gipfel 4;
  • Kooperationen werden erarbeitet.

Hr. Stöber (Arcor, VATM):

  • aktuelles Marktgeschehen ist „eher Zeit schinden“
  • das Aufholen des Vorsprungs der DTAG in den 51 VDSL-Städten wird für alle Wettbewerber sehr schwer sein;
  • „Äußerung einer eher pessimistischen Prognose: ihm fehlt die Bereitschaft im Markt zu glauben, dass Breitband mit Open Access das Zukunftsmodell der TK ist; DTAG ist zurückhaltend, Kabelnetzbetreiber preschen allein immer erfolgreicher vor, werden nicht reguliert“;
  • einziges positives Kooperationsprojekt ist ARCOR/DTAG in Heilbronn-Würzburg mit DTAG-Leerrohren und eigenen KVz von ARCOR.;
  • „Cashflow-Planung der DTAG bedingt aktuell den Breitbandausbau in Deutschland“.

Anmerkungen im Laufe des Diskussion aus dem Publikum:

  • Investitionssharing umstritten (s. SWISSCOM, die das Modell z.T. zurückziehen)
  • Open ACCESS wird als Bottleneck-Regulierung verstanden
  • keine Festlegung auf eine Infrastrukturtechnologie
  • „Aufruf zum Schwingen der Keule“

Nach diesen eher einzelnen Aussagen und einem vielversprechenden Warmwerden für Diskussion, war die Zeit in der großen Runde der ca. 100 Teilnehmer leider abgelaufen. Das Publikum war mit Entscheidern der Branchen besetzt und hätte sicherlich gemeinsam mit dem Podium weiterdiskutiert.

Für die nächste Veranstaltung wagen wir die bescheidene Anmerkung: mehr Zeit und Raum für Diskussion öffnen - die Bereitschaft wäre an dem Abend da gewesen.